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  Frauen und Musik - Kordula Voss und Gudrun Kißler  
 
15 Jahre Frauenmusikclub Köln: nicht nur sicht,- sondern auch HÖRBAR wollen wir sein

Kultur schaffende Frauen - Musik machende Frauen. Es entstehen sofort einige Bilder im Kopf: von Anne-Sophie Mutter bis Madonna, vom brav spielenden Blockflötenmädchen bis hin zu sexy gekleideten, sich vor dem Mikrophon windenden Sängerinnen.
An Berufsmusikerinnen außerhalb des klassischen Bereiches, an ganze Frauenbands, an ausgelassene Mädchen an der Gitarre oder am Schlagzeug denkt man nicht so schnell. Nach wie vor sind Rockmusik und modernes Musikbusiness eine Männerdomäne, in der es Frauen schwer haben, sich jenseits von Rollenklischees und stereotypen Rollenzuweisungen durchzusetzen und präsent zu werden.

Frauen stellen sich in der Popularmusik oft entweder besonders klischeehaft dar, oder verfügen über ein enormes Durchsetzungsvermögen.

“Unsere männlichen Mitmenschen halten ihre Bands nach wie vor streng monogeschlechtlich, und so herrscht in der Popkultur ein ähnlich ausgewogenes Geschlechterverhältnis wie in der KFZ- Meisterung und in der Astronautenszene” schreibt BRITTA, eine zur Zeit recht bekannte Frauenband in Deutschland.


15 Jahre Frauenmusikclub Köln e.V.- gegründet 1990 von einer Hand voll Musikerinnen, die gemeinsam mehr bewegen und sich Gehör verschaffen wollten, als dies alleine möglich war. Die Form des Vereins erschien dafür sinnvoll, da so eine nach außen hin sichtbare Struktur geschaffen werden konnte, die es erleichterte, Proberäume zu mieten, in Kontakt mit anderen MusikerInnen und Institutionen zu treten und öffentliche Fördergelder in Anspruch zu nehmen.

Nach nunmehr über 15 Jahren sind von den Frauen der ersten Stunde kaum noch welche dabei. Trotzdem lebt der Verein immer weiter. Immer wieder tot geglaubt finden sich immer wieder Frauen, die neuen Schwung hinein bringen um die Idee des Frauen Musik-Clubs nicht untergehen zu lassen und somit die Kölner Musiklandschaft bereichern. Gerade in diesem Jahr, dem Jahr des zehnjährigen Bestehens, ist wieder frischer Wind zu spüren. Wie kommt es, dass Musikerinnen nicht müde werden, für die gemeinsame Sache zu kämpfen?



Musikerinnen im Berufsalltag


“Vor einigen Jahren spielte ich als Gitarristin in einer Rockband. Ich war die einzige Frau. Als wir eineN neueN SchlagzeugerIn suchten, fiel mir die Aufgabe zu, eine Kleinanzeige aufzugeben. Fast alle Interessenten, die sich darauf meldeten verlangten am Telefon, mit meinem Freund zu sprechen. Meinem freundlichen Hinweis, dass sie bei mir richtig seien wurde meist mit der Antwort begegnet: Ja, das ist ja schön, aber könnte ich jetzt bitte deinen Freund sprechen?” (Karima, seit 1999 im Frauen Musik-Club)

Frauen haben es schwerer als Männer, freiberuflich als Musikerinnen ihr Geld zu verdienen. Das liegt nicht nur daran, dass die Seilschaften der Männer bei der Jobvermittlung nur schwer zu durchbrechen sind, sondern auch an der Tatsache, dass Frauen die Rolle als Musikerin nicht zugestanden wird. Vor allem ältere Frauen (ich setze ‚ältere Frauen‘ hier bei ca. 30 Jahren an !) haben hiermit Probleme, denn: haben die keinen Mann? Was machen die Kinder in der Zeit, in der sie auftreten? Die sieht aber ganz schön verbraucht aus! Kein Wunder, bei dem Leben, das sie führt!

Frauen, die es wagen, in der Männerdomäne Rock- und Jazzmusik eine andere Rolle als die der Sängerin für sich zu beanspruchen, brauchen Ausdauer und Kraft. Sie sind in den Köpfen vieler Musiker nicht existent. Musikerinnen stehen unter dem Druck, besonders gut sein zu müssen, da die Gefahr besteht, dass ihr Versagen nicht nur ein persönliches wäre, sondern direkt mit ihrem Geschlecht verknüpft würde (‚Die Alte soll´s doch lassen!‘; ‚Schöne Beine hat ´se, aber das mit der Musik sollte sie besser lassen‘). Oft werden sie damit konfrontiert, dass ihre Qualität nicht nach ihrem Können, sondern nach ihrem Aussehen bewertet wird. Männer toben sich in der Rock- und Jazzmusik auf der Bühne aus. Zu ihren Statussymbolen gehört, dass sie ihre Männlichkeit hervorheben, kraftvoll und drängend sind. Das macht sie zum Sexsymbol. Verschwitzte, erhitzte, energische Frauenkörper auf der Bühne erscheinen dagegen eher ungewohnt. Als sich zwei Frauen des Vereins, die gemeinsam in einer Frauenjazzcombo spielen, darüber unterhielten, welchen Nutzen es für die Karriere hätte, in einer bekannten Kölner Jazzkneipe aufzutreten, äußerte eine der beiden: “Na, da musst du aber schon damit rechnen, dass Dir ‚Auszieh´n‘ zugerufen wird.”

Die verzerrte Fremdwahrnehmung von Musikerinnen erschwert es, ein positives Selbstbild jenseits von Sexsymbol und ‚Unweiblichkeit‘ dagegen zu setzen und zu behaupten.

Die Musikerinnen, die sich im Frauenmusikclub zusammengeschlossen haben, haben die Spannungen, denen sie täglich in ihrem Beruf oder als Hobbymusikerin ausgesetzt sind zum Anlass genommen, sich zu vernetzen, eigene Seilschaften zu bilden, sich ihrer Existenz als Musikerin unter anderen zu versichern, Erfahrung auszutauschen und eigene Projekte zu verwirklichen. Regelmäßige Treffen und gemeinsam genutzter Proberaum bilden den Rahmen für eine Vielzahl von Aktivitäten.

Positive Erfahrungen vermitteln: die Angebote des Frauen Musik-Club

Förderung von Mädchen in der Pubertät, insbesondere durch Rock- und Popbandprojekte

Der Frauen Musik-Club Köln fördert Musik und Musikerinnen, musikbegeisterte Mädchen und Frauen, mit der Idee ein Forum zu schaffen, die sich nicht an jenen stereotypen Sichtweisen orientiert, sondern zu einem neuen Selbstverständnis musikschaffender Frauen beiträgt.

Speziell für Mädchen hat sich inzwischen ein umfassendes Angebot etabliert. Angefangen bei der musikalischen Früherziehung werden Angebote für die verschiedenen Altersabschnitte mit ins Programm genommen bis hin zu Bandprojekten speziell für Mädchen in der Pubertät.

“In meiner Jugend war ich in einer Jungenschülerband als einziges Mädchen. Ich dachte, dass wäre cool, aber ich bin in den Gruppenprozess nicht so richtig reingekommen: Ich war zu jung, zu unselbstbewusst, zu hässlich, mit fester Klammer und Brille und habe eine rosa E- Gitarre zugeschustert bekommen.”

Mädchen unterliegen einer anderen musikalischen Sozialisation als Jungen. Sie lernen oft von Haus aus eher die klassischen Instrumente wie Klavier, Geige, Flöte etc. Kommen sie in eine Band, so lassen sie sich oft an die mädchenspezifischen Instrumente verdrängen: so finden sie sich oft am Mikrophon oder bestenfalls am Keyboard wieder.

Musik spielt bei Jugendlichen eine zentrale Rolle, sowohl passiv- hörend, als auch aktiv selbst betrieben. Kreativität ist Ausdruck von Lebensfreude und dient der eigenen Selbstfindung und dem Selbstausdruck. Rock- und Popmusik ist die entscheidende Antriebskraft unserer Jugendkultur. Mit Hilfe von dieser lernen Jugendliche sich aufzulehnen, ihre Autonomie zu entdecken und sich von Zwängen des Geleitetwerdens punktuell und exemplarisch zu emanzipieren. Der Musikbereich bietet Lern- und Erfahrungswelten und nicht nur der Konsument zu sein.

Kreativer Umgang mit ihrer Musik und der damit verbundenen Lebenseinstellung können Jugendliche zu kultureller Eigentätigkeit und pro- sozialem Verhalten anregen, indem sie kreative Fähigkeiten freisetzen und damit Erfolgserlebnisse ermöglichen, die zur Sinnstiftung und Persönlichkeitsentwicklung beitragen.

Doch die in der Rock- und Popszene oft privat organisierten Bands scheinen für die Mädchen wenig zugänglich oder von ihnen nicht erwünscht zu sein und obwohl Popularmusik im Leben aller Jugendlichen eine zentrale Rolle einnimmt, gelingt es nur wenigen Mädchen aktiv zu werden.

Mädchen in der Pubertät scheinen aus verschiedenen Gründen diesen Bereich so wenig nutzen zu können:

Die Rockmusik war von Anfang an ein männlich besetzter Bereich. Männer drücken sich aus, sowohl in Texten als auch in Melodien, Frauen dürfen die von Männern produzierte Musik finanzieren, kaufen, reproduzieren, interpretieren und inspirieren.

Schafft es doch eine Frau, sich in diesem business durchzusetzen, wird das nicht unbedingt gleich bewertet; der Wert des Mannes wird meist durchs sein Können bestimmt und definiert, der der Frau eher durch ihr Aussehen.

Mädchen sind durch ihre Sozialisation häufig weniger laut und aggressiv, eher leise, vorsichtiger im Hintergrund, weniger vertraut mit Improvisieren und Experimentieren. Zudem ist ihnen der Umgang mit technischen Geräten weniger vertraut.



Die Förderung von Mädchenbands


Geht man davon aus, dass Jugendliche in einer Phase, während derer sie sich intensiv mit ihrer geschlechtlichen Selbstdefinition beschäftigen mit derart stereotypen Identifikationsangeboten konfrontiert sind, kann man davon ausgehen, dass Rockmusik die Übernahme traditioneller Geschlechterrollen begünstigt und eine angepasste Identitätsbildung unterstützt. Dazu kommt, daß kaum weibliche Vorbilder vorhanden sind, die nicht den gängigen Klischees entsprechen. Notwendig wird eine Gegenstrategie, die der Ablösung geschlechtspezifischer und vor allen Dingen negativer Images von bestimmten Inhalts,- Erlebnis,- Tätigkeits- und Verhaltensbereichen dient, um diese für das weibliche Geschlecht zu erschließen. Diese Bereiche attraktiv zu machen, neue Rollenerfahrungen zu ermöglichen, Selbstvertrauen aufzubauen, anstatt sich massenmedial verbreiteter, konsumorientierter Identifikationsangebote zu bedienen, kann die Chance einer Mädchenband sein.
Eine passiv-rezeptive Haltung kann überwunden werden, unbeeinflusst von männlichen Macht- und Dominanzansprüchen. Ein ganzes Spektrum an “untypischen” Verhaltensweisen kann ausgeschöpft werden, z.B. Auseinandersetzungen und Durchsetzungsfähigkeit, stark, dickköpfig, mächtig sein. Eigenschaften, die bei vielen Mädchen aufgrund ihrer Sozialisation eher nicht gefördert wurden.
In Mädchenbands können die Mitglieder lustvolle Erfahrungen mit Ungewöhnlichen/Ungewohntem machen, an der Gitarre oder am Schlagzeug. Sie sind die selbstbestimmten Musikerinnen und Sängerinnen, nicht mehr nur die Interpreten der Stücke anderer.
Mittels eigener Texte und Lieder können Mädchen ihre eigene Wirklichkeit beschreiben und sich dabei von herkömmlichen Klischees abgrenzen.
Gruppen- und Einzelidentitäten werden ausgebildet, soziale Hemmschwellen überwunden, Krach gemacht, man darf/ kann/ soll laut sein, sich nach außen wenden, schreien, kreischen Spaß haben. In Mädchenbands stehen sie weniger unter dem Druck, sich oder Anderen etwas beweisen zu müssen.

Wichtig dabei ist, dass eine Frau die Band leitet, die selber eine Identifikationsfigur als Musikerin und Frau ist.


In der Banderfahrung haben Mädchen die Möglichkeit ihre eigenen Stärken und Schwächen zu entdecken, sich Freiräume zu erschließen zum ungestörtem Ausprobieren ohne dem Druck der Männer ausgesetzt zu sein, ohne der Angst vor Blamage, ohne gefallen zu müssen. Sie können den selbstbestimmten und kreativen Umgang mit Material und Instrumenten erlernen weit weg vom Bild der Frau als passives, außenbestimmtes Wesen. So entwickeln sie ein Selbstbewusstsein bezüglich ihrer eigenen Fähigkeiten.

“Wie auch in mädchen- frauenspezifischen Tonstudio –Computerkursen können hier ungleiche Vorerfahrungen in der Sozialisation von Mädchen und Jungen aufgefangen werden.



Angebote für erwachsene Frauen

“... Ich wollte einfach nicht mit Männern spielen, weil Männer anstrengend sind. Nur mit Männern, da geht man unter. Ich HABE mit Männern gespielt....” (Birgit, 35, seit 2,5 Jahren Teilnehmerin am Angebot “Rockband”, Gitarristin)

Frauen nehmen aus unterschiedlichsten Gründen an den Angeboten des Frauen Musik-Clubs teil. Einige haben kaum Kenntnisse auf einem Instrument und suchen auf diesem Weg Möglichkeiten, Zugang zur aktiven Teilnahme an populärer Musik zu gewinnen. Sie finden hier ein Forum, mit anderen Frauen eigene Musikvorstellungen zu verwirklichen.

Die Frauen, die sich im Frauenmusikclub vernetzt haben, wollen die Stärke, die sie als Musikerinnen entwickelt haben, weitergeben, wollen Frauen Mut machen, sich in die populäre Musikszene aktiv einzumischen, hörbar zu werden und gemeinsam musikalische Stärken zu entwickeln. Aus diesem Anliegen hat sich über die zehn Jahre, die es den Verein mittlerweile gibt, ein vielfältiges Kursangebot entwickelt, in dem auf verschiedenen Niveaus und mit verschiedenen Ansprüchen Musik gemacht wird. Hier der Wochenendworkshop für Frauen, die sich zum ersten Mal hinters Schlagzeug setzen, dort der seit Jahren etablierte Jazzchor oder die Rockband, die sich schnell von einem 14-tägig stattfindenden angeleiteten Workshop zu einer selbständig 2mal wöchentlich probenden, ehrgeizigen Formation entwickelt hat. Mehrere Jahre (bis 1999) fand jährlich mit finanzieller Unterstützung der Stadt die Workshopreihe “On The Rocks” statt, die vielen Frauen die Möglichkeit bot, erste Erfahrungen am Instrument oder in einer Band zu sammeln. Hemmschwellen konnten überwunden, Feuer der Begeisterung entfacht werden. Daneben findet ein fortlaufendes, offenes Kursangebot statt (Jazz-Chor, Jazz-Bands, Percussion-Gruppen, Rockbands, Einzelunterricht, Angebote für Kinder und jugendliche Mädchen). 1995 war der Frauen Musik -Club Köln Veranstalter des ersten bundesweiten Mädchenbandfestivals. Regelmäßig wird durch das FrauenMusikCafé, einer mehrmals im Jahr stattfindenden Konzertveranstaltung, Musikerinnen die Möglichkeit geboten, sich einem gemischten Publikum zu präsentieren.

Die voran stehenden Zitate und Überlegungen zeigen, dass die Ideen des FrauenMusikClubs immer noch aktuell sind. Jede Frau entscheidet sich individuell aus unterschiedlichen Motiven für die Mitwirkung im Verein oder die Teilnahme an einem der angebotenen Kurse und eines ist ihnen allen gemeinsam: sie wollen mit anderen Frauen Musik machen. In Zeiten angeblich ‚knapper Kassen‘ ist jedoch auch das Überleben unseres Vereins gefährdet. Zeiten, in denen zwei ABM-Stellen besetzt werden konnten sind längst vorbei. Seit Mai 2000 ist das Ehrenamt wieder gefragt – offizielle Förderung gibt es nicht mehr. So müssen neue Geldquellen erschlossen werden, soll der Verein nicht in der Versenkung verschwinden.